Nummer 2/12 – Die Hose Olwyn

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IMG_0353Nummer 2, das April-Stück, ist die Hose Olwyn. Ich habe sie aus dunklem, leicht stretchigem Denim genäht, vorne und hinten bzw. oben und unten etwas in die Länge gezogen und an den Waden noch etwas weiter gemacht um ein geraderes Bein zu erhalten. Ich habe sogar – und da kann ich nicht anders als an Trudi von Hot Patterns zu denken, wer kennt sie? – eine Probehose genäht. Das mache nur, wenn die Schnittzeichnung und das fertige Modellfoto einfach nicht recht zusammen passen wollen. Sonst habe ich dafür keine Nerven und schneide direkt in meinen kostbaren Stoff, so ist das, Trudi!

Sollte die Skizze der Hose, siehe das Foto mit dem Stoffmuster, irgendetwas bedeuten, war ursprünglich wohl ein gerades Bein geplant. Umgesetzt wurde von der Schnittmacherin aber eine recht ausgeprägte 7/8-Karotte und das mit Gummizug. Eigentlich sagt das schon alles. Ich vermute, ich hatte im Alter von vier Jahren das letzte Mal eine Hose mit Gummizug an, abgesehen von Sport- oder Pyjamahosen.

Die Hose ist jedenfalls urbequem und hätte sie noch Taschen, wäre sie auch urpraktisch. Vielleicht denkt jemand von den Lesern ja daran, Taschen einzunähen.

Zu meinem 12/12 Projekt gehört auch, die Sachen wirklich zu tragen, die ich nähe. Also bin ich einen Tag lang mit den Hosen durch die Gegend marschiert. Ich habe einen rosa Wollpulli mit überlangen Ärmeln dazu getragen und so schicke Sneakers in Grau.

Die Hose Olwyn ging mit mir einkaufen, brachte meinen Sohn in die Klavierstunde und besuchte Verwandte zum Kaffee. Fazit: Olwyn löst etwas aus, zumindest bei mir.

Erstens musste ich etwas Selbstgenähtes tragen, was nie ganz einfach ist, auch wenn es noch so toll gelungen ist. Irgendwo denke ich immer, ob die Naht hält, ob der Schnitt wirklich auf die Figur passt und was weiss ich.

Dann habe ich an dem Tag ein Stück getragen, das ich unter anderen Umständen vermutlich nicht einmal im Laden anprobiert hätte.

Und drittens habe ich mich wirklich sehr wohl darin gefühlt und sogar gut angezogen. Olwyn hat mir geholfen, anziehmässig über den Tellerrand zu schauen und zu merken, dass es funktioniert.

Bis zu diesem Tag war einer meiner Hauptgedanken bei der Kleiderwahl, möglichst schlank auszusehen und alles was nicht gerade vorteilhaft ist, zu kaschieren. Diese Hose hebt nichts in den Vordergrund, kaschiert alles, ist einfach nur Hose. Sie passte zum Pulli, sah gut aus zu den Schuhen und gab mir ein gutes, angezogenes Gefühl. Olwyn gab mir sogar das Gefühl, an diesem Tag ein bisschen avant-garde zu sein, denn ich bin fest überzeugt, dass Kleidung in Zukunft dazu getragen wird, die Trägerin gut aussehen zu lassen, selbstbewusst, die Person zu betonen, nicht ihre Figur.

Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgehen, dass Olwyn auch auf dem Bild ins beste Licht gerückt ist. Nicht weil ich endlich begriffen hätte, wie man ein gutes Foto macht, sondern weil wir jetzt zu Zweit bei Nice, mate! sind. Einer Text und einer Bild und das ist gut so.