Nummer 1/12 – Der Mantel Pilvi

 

Und schon habe ich es geschafft, das März-Stück ist fertig, ein Mantel! Er ist schön geworden. Ich habe einen tollen Stoff.

So wird es bei allen meinen 12/12-Stücken sein: Stoff gut, alles gut! Das ist schliesslich der Witz dieser reduzierten Schnitte und überhaupt der Witz von Lotta Jansdotters Kollektion. Lotta ist eigentlich Stoffdesignerin und möchte natürlich, dass ihre Farben, Prints und Strukturen möglichst gut zur Geltung kommen.

Ich habe hier keinen Möglichkeit Lottas Stoffe zu erhalten und sie entsprechen, ehrlich gesagt, als Kleider auch nicht exakt meinem persönlichen Stil. Doch es gibt ja auch Alternativen.

Für diesen Mantel habe ich also einen flauschigen Wollstoff von Brigitte Büge verwendet, der hier sein Potential aufs Schönste präsentieren kann.

Irgendwo geistert in meinem Kopf das Vorurteil herum Schweden seien gross und Amerikaner erst recht. Trotzdem musste ich das Teil der schwedischen in den USA lebenden Designerin verlängern, wie ich das üblicherweise bei jedem Schnittmuster tun muss. Ich mache meistens mal fünf Zentimeter in die Länge und noch drei Zentimeter an die Ärmel wenn nicht irgendwo eine Taillennaht oder so ist. In diesem Fall müsste ich schon genauer messen. Trotz der Verlängerung sind die gedachten Dreiviertelärmel auch solche geblieben.

Pilvi ist ein verschlussloser Mantel, also habe ich auch hier noch je drei Zentimeter an die vorderen Kanten als Über- und Untertritt gegeben und zwei grosse Druckknöpfe angenäht. Mit radikal verschlusslos komme ich im Alltag irgendwie nicht zurecht.

Müsste ich an dieser Stelle noch Kritik anbringen, was ich nicht muss – schliesslich habe ich mich für diese Kollektion ohne Wenn und Aber entschieden – dann würde ich vielleicht noch anmerken, dass die Ärmel ein wenig eng sind. Pulli drunter geht nicht gut. Es staut sich unter den Armen.

Pilvi ist also toll geworden, ich habe ihn heute schon getragen und prompt Komplimente bekommen!

Bereits stellt sich einer der erhofften Effekte der 365-Tage-Projekte ein oder in diesem Fall eben der 12-Monate-Projekte: Ich habe etwas erledigt, jetzt habe ich den Kopf frei für neue Dinge, falls ich das möchte. Andernfalls lasse ich es, weil wie gesagt. Das ist ein gutes Gefühl.

Ja-ja. Ich wei-heiss, an meinen Fotos kann ich noch arbeiten und das werde ich auch tun, ihr werdet schon sehen.

One Month – One Piece

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Das ist ein 12 Monate-Projekt, meine Version des 365 Tage-Projektes. Bei der Verwirklichung wird mir die zauberhafte Lotta Jansdotter helfen. Ich werde im Laufe eines Jahres jeden Monat ein Stück aus ihrer „Everyday Style“ – Kollektion nähen.

Das 12/12 – Projekt soll mich dem Traum aller Hobbyschneiderinnen näher bringen: eine selbst genähte Garderobe zu besitzen.

Die schwedische Designerin Lotta Jansdotter hat das Buch „Lotta Jansdotter Everyday Style. Key Pieces to sew + Accessories, Styling, and Inspiration“ 2015 in New York herausgebracht. Es ist nicht ihre erstes Nähbuch, aber das erste, das eine in sich geschlossene Kollektion präsentiert.

Dieses Buch oder auch diese Kollektion ist ideal für mein Projekt. Es enthält genau 12 Grundmodelle, die sehr einfach zu nähen sind. Das verspricht weniger Nähfrust und wird mir helfen, das 12/12-Projekt durchzuziehen. Die Modelle sind reduced to the max. Kaum Kragen, keine Manschetten, kaum Knöpfe, nur einfache Reissverschlüsse, ab und zu ein Abnäher oder ein Gummizug. Hört sich nach wenig an, macht die Kleider aber extrem wandelbar und für jede Figur und jeden Geschmack tragbar.

Es ist ein „Alles-ist-möglich“-Stil und das ist, wie ich finde, der Look der Zukunft. Diese Kleidung bekleidet, aber wie muss jeder für sich entscheiden.

Lotta Jansdotter schreibt in der Einleitung des Buches:

„I aim to inspire people to make simple, useful objects to be treasured.“

Sie wollte eine Ganzjahres Grundgarderobe entwerfen, die von Menschen aller Art getragen werden kann, überall auf der Welt.

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum ich gerade Lottas Buch für das 12/12-Projekt ausgewählt habe: Ich brauche dringend den Mantel Pilvi für den Frühling und zwar in dem flauschigen rot-beigen Wollstoff, von dem ich ein Muster neben  die Mantelskizze gelegt habe!

Ich lege also heute noch los und wenn es was wird, schicke ich Lotta ein Foto!

Zuerst war der Stoff, …

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…dann kam das „schnittchen“.

Vom Stoff habe ich bereits geschrieben, es ist der wunderbare Chambray mit den goldenen Ananas. „anana’s fabric“ heisst er übrigens. Was also sollte ich mit diesem Stoff machen, damit er wirklich zur Geltung kommt und seine Würde nicht verliert.

Hier ein kleiner Exkurs: Leider habe ich schon öfters erlebt, dass ein Stoff, der in grosser Fläche und voller Pracht vor einem liegt, den falschen Schnitt bekommt. Ist er nach dem falschen Schnittmuster verarbeitet, kann man nicht glauben, dass man wochenlang kaum wagte, das edle Gewebe anzufassen, geschweige denn zu zerschneiden.

Damit diese Katastrophe auf keinen Fall eintritt, flippte ich also durch tausende online-Schnittmuster, überlegte lange, wühlte in meinem Fundus – und da lag er schon: Das „Schnittmuster Kleid Tanja“ von „schnittchen“ aus München. In besagtem Fundus gibt es zwar einige „schnittchen“ Schnittmuster, aber ich hatte noch nie danach genäht.

Die Schnittmuster habe ich mir einmal angeschafft, weil mir der Stil dieser Kleider gefällt. Sie sind einfach, cool, zeitgemäss zeitlos, etwas ganz Eigenes, aber auf ruhige Art.

Ich habe mir also ein Herz genommen und die Anleitung befolgt, die scharfe Schere geholt usw. Aber was rede ich. Es war sehr einfach, ich konnte das Kleid schnell und ohne Missverständnisse nähen, es war ein Erfolg auf der ganzen Linie.

Das war alles anfangs des vergehenden Winters. Jetzt jedenfalls freue ich mich sehr darauf, das gute Stück an heissen Tagen auszuführen.

Wo Stoff kaufen? 1 Tipp!

 

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Zugegeben, 1 Tipp ist nicht gerade ausgiebig, dafür ist er umso besser. Ich würde meinen Stoff bei „Lilly Paris. Das Stoffatelier“ kaufen, wenn ich du wäre. Bisher habe ich zwei Stoffe dort online bestellt: einen Chambray mit goldenen Ananas bedruckt von Aimee comme Marie und ein Leinen-Baumwolle Gemisch von Kokka mit Origami-Kranichen bedruckt, ebenfalls mit Gold umrandet.

Die Gewebe sehen edel aus, dazu trägt sicher auch der Goldglanz bei. Nichtsdestotrotz müssen sie im Alltag bestehen. Sie sind also direkt nach Ankunft bei mir zu Hause in die Waschmaschine geworfen worden und siehe da: genauso rausgekommen wie reingegangen. Der Goldglanz blieb erhalten. Vielleicht sind die Stoffe ein bisschen geschrumpft, aber das soll ja so sein.

Das Ananas-Stöffchen – fest, dünn, leicht, der schiere Sommer – ist bereits zum Kleid geworden. Die Kraniche – dicker und etwas roher im Griff – sind noch unverarbeitet. Ein, zwei mögliche Projekte flattern aber bereits im Hinterkopf herum.

Besondere, noch wenig gesehene Stoffe & Mercerieartikel für Erwachsene und Kinder aus Frankreich, England, Schweden und Japan sind unsere Leidenschaft und diese möchten wir gerne mit Ihnen teilen. Liberty London, France Duval-Stalla, Atelier Brunette aber auch Aime comme Marie und Kokka sind nur einige unserer tollen Labels. Gerne zeigen wir Ihnen unser Sortiment auch persönlich an einem unserer nächsten Atelierverkäufe in Oberrieden bei Zürich.

So steht es bei „Lilly Paris“. Bisher habe ich online bestellt, doch auch dieses Stoffatelier ist gewiss eine Reise wert.

Übrigens, für das Kleid habe ich ein Schnittmuster von „Schnittchen“ verwendet. Doch dazu später mehr.

 

Merchant & Mills

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Wenn ein Nähbuch dann dieses!

Auf dem Klappentext steht unter anderem etwa Folgendes: Merchant & Mills wollen eine Ganzjahresgarderobe präsentieren, deren Stücke sowohl als einzelne Kleidungsstücke funktionieren, aber auch untereinander immer wieder kombiniert werden können.

Durch sorgfältige Auswahl des Stoffes kann jedes Schnittmuster der Jahreszeit angepasst und so eine wirklich vollständige Garderobe geschaffen werden.

Das alles geht mit nur sechs Schnittmustern – wenn das kein Versprechen ist! Sicher ist, dass jedes Stück sich in jede Garderobe integriert und das Zeug zum Lieblingsstück hat.

Ich habe noch keines von den wunderbar schlichten, aus der Zeit gefallenen Stücken genäht. Aber ich kann nicht aufhören in diesem Buch zu blättern, mein nächstes Projekt zu planen und mich in den Fotografien zu verlieren.

Die Kleider tragen Namen wie „The Bantam“, ein ärmelloses Top mit Boxerrücken, oder „The Saltmarsh“, ein langer Leinenrock. Es sind aussergewöhnlich schlichte Schnitte, die für Leinen, Baumwolle oder Wolle gedacht sind. Die Inszenierung der Kleider ist irgendwo zwischen Kolonialstil, Sommerfrische am Meer und englischer Fabrikromantik angesiedelt. Ist die Geschichte zum Bild zu Ende gedacht, kann das Kleidungsstück nachgenäht werden, quasi als Souvenir der Erzählung.

Die Nähanleitungen sind sehr ausführlich von Hand gezeichnet und bilden jeden Arbeitsschritt ab, einige Fotos verdeutlichen schwierige oder schwer erkennbare Anweisungen.

Das Buch an sich ist bereits sehr schön und bringt den Leser von Anfang an in die erforderliche ruhige, schlichte Erwartung mit der diese Kleider verstanden werden wollen. Buch und Schnittmusterpacken sind in braunen, unbeschichteten Karton gebunden, der mit einem schwarzen Gummiband fixiert wird. Die Deckblattbeschriftung ist in Schwarz darin eingeprägt.

Wie gerne, wie gerne würde ich das Geschäft Merchant & Mills in East Sussex besuchen!

 

Voll Mütze

Seit einigen Jahren gilt für mich das Prinzip „Eine Mütze pro Winter“. Im Winter 2015/2016 habe ich den Beanie aus der burdastyle 1/2016 gestrickt (Ich bin eine wahre Burdaista wie sich noch zeigen wird).

Eigentlich möchte ich nur nähen, aber diese Mütze zu stricken hat richtig Spass gemacht. Schon diese Wolle durch die Finger gleiten zu lassen, war sehr, sehr angenehm. Ich habe mich da an die Vorgabe gehalten und „Bingo“ und „Bingo Print“ von Lana Grossa genommen. Eine reine Merinowolle. Die Garne haben richtige Winterfarben wie Stein, Schnee, Eis.

Obwohl die Mütze einfach ist und schnell gemacht war, habe ich einiges gelernt und zwar den italienischen Anschlag oder das Halbpatentmuster. Da bin ich besonders stolz drauf, das macht einen professionellen Eindruck und ist sehr angenehm zu tragen. Es ist weich, leicht, luftig und trotzdem warm genug.

Ich würde jedem empfehlen, das Ding noch schnell zu machen, der Winter dauert schon noch ein paar Wochen. Das tolle Stück bleibt am Kopf, wo es sein soll und hat trotzdem eine lässige Weite.

Mal sehen, in welcher Farbe es die „Bingo Print“-Wolle noch gibt, aber ein etwas eng anliegendes Fischermätzchen in dunkelblau und mit umgeschlagenen Bund würde mir aus diesem Garn schon noch gefallen.

Elfengleich

Ein schönes Blüschen aus burdastyle 5/2015. Transparenter, feinmaschiger Strickstoff, der leicht in Falten fällt sobald man den schmalen Gürtel umbindet, der hier unbedingt sein muss. Die Ärmel- und  Saumkanten sind ungesäumt, was ich liebe. Hat ein Kleidungsstück offene Kanten, kann ich kaum wiederstehen, keine Ahnung woran das liegt.

Die nach vorne verlegte Arm- und Schulternaht und der vordere Ausschnitt irritieren das Auge. Noch so ein wunderschönes Detail. Passt am besten zu schwarzen Röhrenhosen.  Und liegt elfengleich im Vorvorfrühlingsgarten.