Alles was das Nähherz begehrt!

 

Vor ein paar Tagen habe ich meinen grossen Traum wahrgemacht und bin nach Zürich gefahren, um bei Pompon einzukaufen. Das Geschäft kenne ich schon länger als einen meiner Lieblingsonlineshops. Schon meterweise Stoffe habe ich mir aus dem Laden am Idaplatz kommen lassen. Aber wenn die Stoffballen direkt in greifbarer Nähe sind und man die Materialen sehen und fühlen kann, ist die Vorfreude aufs Nähen noch viel grösser.

Es war wie im Feinkostladen. In einem hohen Raum lagern die schönste Stoffe:

„Designerstoffe aus Italien im Retrostil, robuste Baumwollstoffe aus Japan, farbig gemusterte Stoffballen aus Amerika, lustige Kinderjerseys aus dem hohen Norden“!

(so schreibt Pompon im Flyer) Ausserdem gibt es Schnittmuster von Merchant & Mills aus England, Schnittchen aus Deutschland, Minikrea aus Dänemark, Named aus Finnland oder Deer & Doo aus Frankreich.

Während wir uns umsahen, ratterten im Hinterzimmer die Nähmaschinen, wo gerade einer der vielen Nähkurse stattfand, die Pompon anbietet. Am liebsten hätte ich dort meine Zelte aufgeschlagen.

Gekauft habe ich (little girl in the candyshop) fast nichts : eine wunderbare Sommerwolle, ein Jackenstoff mit Metallfaden gewoben und zwei Resten Baumwollbatist. Das Angebot war einfach zu gross. Leider habe ich das Geschäft ohne grosse Projektvorstellung betreten. Aber ich werde wieder hingehen.

Zum Glück gibt es Pompon auch online!

 

Nebenbei: Am besten erreichbar ist der Idaplatz mit Tram Linie 3 vom Hauptbahnhof zum Lochergut. In nur zwei Minuten zu Fuss erreicht man das Kafi Dihei an der Zurlindenstrasse für die verdiente Kaffeepause.

 

 

Anushka, wo warst du?

Ich bin immer noch so geplättet von meiner Entdeckung, dass ich gar nicht weiss wo oder wie ich anfangen soll. Wie ich schon im ersten Post gesagt habe, bin ich immer auf der Suche nach DER Garderobe, in meinem Fall DEN Schnitten mit den dazugehörigen Stoffen, die ich für MEIN Glück nähen möchte. Mit meinen eigenen Überlegungen bin ich bisher nicht allzu weit gekommen, um ehrlich zu sein.

Heute, den 25. März 2016, finde ich folgendes Buch online „personal style & the perfect wardrobe. Define your personal style and rebuild your wardrobe from scratch. A Workbook.“ Geschrieben 2014 von Anushka Rees.

Das Buch beinhaltet 85 Seiten voll mit Arbeitsblättern und Fragebögen mit dem Ziel Kurven, Charts und Rankings zu erstellen, die uns, in einem sehr kreativen Prozess, den eigenen Geschmack klarmachen und uns weg von allen Trends und Stilvorgaben zum gewollten Aussehen bzw. eben Kleiderschrank führen sollen.

Ich habe das Buch eben erst ausgedruckt und kann ehrlich nicht sagen, ob es funktioniert. Beim schnellen Durchblättern scheint es wie eine empirische Evaluation zu irgendeinem psychologischen Thema. So falsch ist das wohl nicht, denn hier sind letztlich ja auch Persönlichkeit und Geschmack zu Hause. Tief in uns drin. Anushka will uns helfen, das auszugraben, zu beschreiben und dann in unseren neuen Kleidern erhobenen Hauptes davon zu gehen. Zu neuen, grossen Taten selbstverständlich.

Das hört sich nach viel Arbeit an, ist es sicher auch, aber wohl lohnend. Gründlich über sich selbst nachzudenken ist nie falsch und hilft betreffend Kleidung und Stil nicht mehr irgendwelchen falschen Vorbildern – sogenannten Idolen – nach zu hecheln, deren Sachen einem weder stehen, noch kann man sie sich leisten.

Gibt es ein grösseres Glück, als zu wissen wer man ist und damit was man braucht?

Personal style is more than just a way to get dressed in the morning. It’s about celebrating creativity, self-expression and figuring out what makes you feel confident and inspired every day. (Anushka Rees)

Wer selber näht, hat diesen Punkt sicher schon begriffen. Denn aus verfügbarem Stoff und Können muss mit Zeit etwas geschaffen werden, das cool ist. Da überlegt man sich schon ein Weilchen was und wie das nun werden soll. Der Aufwand muss sich einfach lohnen. Ist der Stoff falsch gewählt oder das ersehnte Stück einfach nicht zu schaffen, stellt sich Nähfrust ein. Kein schönes Gefühl.

Hier übrigens erwarte ich etwas Konkretes von Anushka: Ich weiss zwar, dass ein Stoff am Ballen nicht die gleiche Wirkung hat wie derselbe Stoff zum Kleidungsstück verarbeitet. Trotzdem ist das eine richtige Falle für mich, in die ich immer und immer wieder tappe. Ich lasse mich von leuchtenden Farben, schönen Prints und fliesenden Geweben verführen, obwohl ich niemals ein buntes, seidenes etc. Stück kaufen würde geschweige denn anziehen. So kommt es, dass ich hier auf meinen Regal einige tolle Stoffe habe, die ich immer wieder bewundere, aber nicht weiss, was ich daraus nähen soll. Manchmal mache ich dann doch irgendwas und hänge es direkt in meine Hall of Fame statt in den Kleiderschrank.

Bin gespannt ob mir Anushkas Seelenspiegel aus dieser Falle heraus hilft.

Wahrscheinlich ist die Autorin dieses sehr aufwändigen Buches – Chapeau, echt! – nicht allen unbekannt. Sie ist Gründerin von into-mind.com, wo ich „personal style & the perfect wardrobe“ auch gefunden habe. Ein Blick in diesen Blog lohnt sich.

 

Wo Stoff kaufen? 1 Tipp!

 

IMG_0266

Zugegeben, 1 Tipp ist nicht gerade ausgiebig, dafür ist er umso besser. Ich würde meinen Stoff bei „Lilly Paris. Das Stoffatelier“ kaufen, wenn ich du wäre. Bisher habe ich zwei Stoffe dort online bestellt: einen Chambray mit goldenen Ananas bedruckt von Aimee comme Marie und ein Leinen-Baumwolle Gemisch von Kokka mit Origami-Kranichen bedruckt, ebenfalls mit Gold umrandet.

Die Gewebe sehen edel aus, dazu trägt sicher auch der Goldglanz bei. Nichtsdestotrotz müssen sie im Alltag bestehen. Sie sind also direkt nach Ankunft bei mir zu Hause in die Waschmaschine geworfen worden und siehe da: genauso rausgekommen wie reingegangen. Der Goldglanz blieb erhalten. Vielleicht sind die Stoffe ein bisschen geschrumpft, aber das soll ja so sein.

Das Ananas-Stöffchen – fest, dünn, leicht, der schiere Sommer – ist bereits zum Kleid geworden. Die Kraniche – dicker und etwas roher im Griff – sind noch unverarbeitet. Ein, zwei mögliche Projekte flattern aber bereits im Hinterkopf herum.

Besondere, noch wenig gesehene Stoffe & Mercerieartikel für Erwachsene und Kinder aus Frankreich, England, Schweden und Japan sind unsere Leidenschaft und diese möchten wir gerne mit Ihnen teilen. Liberty London, France Duval-Stalla, Atelier Brunette aber auch Aime comme Marie und Kokka sind nur einige unserer tollen Labels. Gerne zeigen wir Ihnen unser Sortiment auch persönlich an einem unserer nächsten Atelierverkäufe in Oberrieden bei Zürich.

So steht es bei „Lilly Paris“. Bisher habe ich online bestellt, doch auch dieses Stoffatelier ist gewiss eine Reise wert.

Übrigens, für das Kleid habe ich ein Schnittmuster von „Schnittchen“ verwendet. Doch dazu später mehr.

 

Merchant & Mills

IMG_0231

IMG_0232

Wenn ein Nähbuch dann dieses!

Auf dem Klappentext steht unter anderem etwa Folgendes: Merchant & Mills wollen eine Ganzjahresgarderobe präsentieren, deren Stücke sowohl als einzelne Kleidungsstücke funktionieren, aber auch untereinander immer wieder kombiniert werden können.

Durch sorgfältige Auswahl des Stoffes kann jedes Schnittmuster der Jahreszeit angepasst und so eine wirklich vollständige Garderobe geschaffen werden.

Das alles geht mit nur sechs Schnittmustern – wenn das kein Versprechen ist! Sicher ist, dass jedes Stück sich in jede Garderobe integriert und das Zeug zum Lieblingsstück hat.

Ich habe noch keines von den wunderbar schlichten, aus der Zeit gefallenen Stücken genäht. Aber ich kann nicht aufhören in diesem Buch zu blättern, mein nächstes Projekt zu planen und mich in den Fotografien zu verlieren.

Die Kleider tragen Namen wie „The Bantam“, ein ärmelloses Top mit Boxerrücken, oder „The Saltmarsh“, ein langer Leinenrock. Es sind aussergewöhnlich schlichte Schnitte, die für Leinen, Baumwolle oder Wolle gedacht sind. Die Inszenierung der Kleider ist irgendwo zwischen Kolonialstil, Sommerfrische am Meer und englischer Fabrikromantik angesiedelt. Ist die Geschichte zum Bild zu Ende gedacht, kann das Kleidungsstück nachgenäht werden, quasi als Souvenir der Erzählung.

Die Nähanleitungen sind sehr ausführlich von Hand gezeichnet und bilden jeden Arbeitsschritt ab, einige Fotos verdeutlichen schwierige oder schwer erkennbare Anweisungen.

Das Buch an sich ist bereits sehr schön und bringt den Leser von Anfang an in die erforderliche ruhige, schlichte Erwartung mit der diese Kleider verstanden werden wollen. Buch und Schnittmusterpacken sind in braunen, unbeschichteten Karton gebunden, der mit einem schwarzen Gummiband fixiert wird. Die Deckblattbeschriftung ist in Schwarz darin eingeprägt.

Wie gerne, wie gerne würde ich das Geschäft Merchant & Mills in East Sussex besuchen!