Déjà-vu

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Eine Frau muss tun, was eine Frau tun muss! In meinem Fall ist es das Jäckchen/ der Blouson 102 aus der burdastyle 6/2012 nähen. Seit das Heft erschienen ist, möchte ich das Jäckchen haben. Das sind immerhin 4 Jahre. X Male habe ich es mir wieder angeschaut und mir mit diesem und jenem Stoff vorgestellt. In der burdastyle haben sie einen grauen, glitzernden Jersey für den Schnitt verwendet. Dieser Stoff ist natürlich toll, weil er so schön mit dem sportlichen Schnitt kontrastiert. Der Schnitt ist eigentlich der einer 70er-Jahre Trainingsjacke. (Man sieht die Kniebeugen mit förmlich vor sich.) Ich wollte immer so ein sportliches Teil für „Schön“ haben.

Wiedermal ist dieses Jäckchen in meinem Kopf herumgegeistert und ich habe mir überlegt, wie mein Stoff dafür denn idealerweise sein müsste. Entweder sollte das der Originalstoff sein oder ein schwarzer, glitzernder oder glänzender Jersey. Ich habe sogar vom fertigen Jäckchen geträumt

Wenige Tage später gehe ich also in meinen Lieblingsstoffladen und stehe vor einem Ballen ebendieses Stoffes. Ich sage zur Verkäuferin, dass ich den Stoff haben muss, weil ich davon geträumt habe. Sie guckt mich an, man kann sich vorstellen wie.

Am nächsten Tag habe ich das Jäckchen genäht – ist ein super einfacher Schnitt – und noch am gleichen Abend ausgeführt. Besser kann es nicht kommen im Leben der Hobbynäherin.

Technisch muss ich noch dazu sagen, dass so etwas mit der Overlock-Maschine perfekt gelingt. Beim Tragen sieht man ständig die Nähte und wenn die sich nicht unter einem armseligen Zick-Zack-Stich wellen und fransen, macht das schon mehr her. Es geht auch schneller.

Wirklich gelungen finde ich das Foto zum Ding. Der metallisch glänzende Stoff fliesst über das Wellblech in der Sonne, als würde der Stoff schmelzen. Das ist ein Super Shot, Fotografin.

Nummer 2/12 – Die Hose Olwyn

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IMG_0353Nummer 2, das April-Stück, ist die Hose Olwyn. Ich habe sie aus dunklem, leicht stretchigem Denim genäht, vorne und hinten bzw. oben und unten etwas in die Länge gezogen und an den Waden noch etwas weiter gemacht um ein geraderes Bein zu erhalten. Ich habe sogar – und da kann ich nicht anders als an Trudi von Hot Patterns zu denken, wer kennt sie? – eine Probehose genäht. Das mache nur, wenn die Schnittzeichnung und das fertige Modellfoto einfach nicht recht zusammen passen wollen. Sonst habe ich dafür keine Nerven und schneide direkt in meinen kostbaren Stoff, so ist das, Trudi!

Sollte die Skizze der Hose, siehe das Foto mit dem Stoffmuster, irgendetwas bedeuten, war ursprünglich wohl ein gerades Bein geplant. Umgesetzt wurde von der Schnittmacherin aber eine recht ausgeprägte 7/8-Karotte und das mit Gummizug. Eigentlich sagt das schon alles. Ich vermute, ich hatte im Alter von vier Jahren das letzte Mal eine Hose mit Gummizug an, abgesehen von Sport- oder Pyjamahosen.

Die Hose ist jedenfalls urbequem und hätte sie noch Taschen, wäre sie auch urpraktisch. Vielleicht denkt jemand von den Lesern ja daran, Taschen einzunähen.

Zu meinem 12/12 Projekt gehört auch, die Sachen wirklich zu tragen, die ich nähe. Also bin ich einen Tag lang mit den Hosen durch die Gegend marschiert. Ich habe einen rosa Wollpulli mit überlangen Ärmeln dazu getragen und so schicke Sneakers in Grau.

Die Hose Olwyn ging mit mir einkaufen, brachte meinen Sohn in die Klavierstunde und besuchte Verwandte zum Kaffee. Fazit: Olwyn löst etwas aus, zumindest bei mir.

Erstens musste ich etwas Selbstgenähtes tragen, was nie ganz einfach ist, auch wenn es noch so toll gelungen ist. Irgendwo denke ich immer, ob die Naht hält, ob der Schnitt wirklich auf die Figur passt und was weiss ich.

Dann habe ich an dem Tag ein Stück getragen, das ich unter anderen Umständen vermutlich nicht einmal im Laden anprobiert hätte.

Und drittens habe ich mich wirklich sehr wohl darin gefühlt und sogar gut angezogen. Olwyn hat mir geholfen, anziehmässig über den Tellerrand zu schauen und zu merken, dass es funktioniert.

Bis zu diesem Tag war einer meiner Hauptgedanken bei der Kleiderwahl, möglichst schlank auszusehen und alles was nicht gerade vorteilhaft ist, zu kaschieren. Diese Hose hebt nichts in den Vordergrund, kaschiert alles, ist einfach nur Hose. Sie passte zum Pulli, sah gut aus zu den Schuhen und gab mir ein gutes, angezogenes Gefühl. Olwyn gab mir sogar das Gefühl, an diesem Tag ein bisschen avant-garde zu sein, denn ich bin fest überzeugt, dass Kleidung in Zukunft dazu getragen wird, die Trägerin gut aussehen zu lassen, selbstbewusst, die Person zu betonen, nicht ihre Figur.

Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgehen, dass Olwyn auch auf dem Bild ins beste Licht gerückt ist. Nicht weil ich endlich begriffen hätte, wie man ein gutes Foto macht, sondern weil wir jetzt zu Zweit bei Nice, mate! sind. Einer Text und einer Bild und das ist gut so.