Anushka, wo warst du?

Ich bin immer noch so geplättet von meiner Entdeckung, dass ich gar nicht weiss wo oder wie ich anfangen soll. Wie ich schon im ersten Post gesagt habe, bin ich immer auf der Suche nach DER Garderobe, in meinem Fall DEN Schnitten mit den dazugehörigen Stoffen, die ich für MEIN Glück nähen möchte. Mit meinen eigenen Überlegungen bin ich bisher nicht allzu weit gekommen, um ehrlich zu sein.

Heute, den 25. März 2016, finde ich folgendes Buch online „personal style & the perfect wardrobe. Define your personal style and rebuild your wardrobe from scratch. A Workbook.“ Geschrieben 2014 von Anushka Rees.

Das Buch beinhaltet 85 Seiten voll mit Arbeitsblättern und Fragebögen mit dem Ziel Kurven, Charts und Rankings zu erstellen, die uns, in einem sehr kreativen Prozess, den eigenen Geschmack klarmachen und uns weg von allen Trends und Stilvorgaben zum gewollten Aussehen bzw. eben Kleiderschrank führen sollen.

Ich habe das Buch eben erst ausgedruckt und kann ehrlich nicht sagen, ob es funktioniert. Beim schnellen Durchblättern scheint es wie eine empirische Evaluation zu irgendeinem psychologischen Thema. So falsch ist das wohl nicht, denn hier sind letztlich ja auch Persönlichkeit und Geschmack zu Hause. Tief in uns drin. Anushka will uns helfen, das auszugraben, zu beschreiben und dann in unseren neuen Kleidern erhobenen Hauptes davon zu gehen. Zu neuen, grossen Taten selbstverständlich.

Das hört sich nach viel Arbeit an, ist es sicher auch, aber wohl lohnend. Gründlich über sich selbst nachzudenken ist nie falsch und hilft betreffend Kleidung und Stil nicht mehr irgendwelchen falschen Vorbildern – sogenannten Idolen – nach zu hecheln, deren Sachen einem weder stehen, noch kann man sie sich leisten.

Gibt es ein grösseres Glück, als zu wissen wer man ist und damit was man braucht?

Personal style is more than just a way to get dressed in the morning. It’s about celebrating creativity, self-expression and figuring out what makes you feel confident and inspired every day. (Anushka Rees)

Wer selber näht, hat diesen Punkt sicher schon begriffen. Denn aus verfügbarem Stoff und Können muss mit Zeit etwas geschaffen werden, das cool ist. Da überlegt man sich schon ein Weilchen was und wie das nun werden soll. Der Aufwand muss sich einfach lohnen. Ist der Stoff falsch gewählt oder das ersehnte Stück einfach nicht zu schaffen, stellt sich Nähfrust ein. Kein schönes Gefühl.

Hier übrigens erwarte ich etwas Konkretes von Anushka: Ich weiss zwar, dass ein Stoff am Ballen nicht die gleiche Wirkung hat wie derselbe Stoff zum Kleidungsstück verarbeitet. Trotzdem ist das eine richtige Falle für mich, in die ich immer und immer wieder tappe. Ich lasse mich von leuchtenden Farben, schönen Prints und fliesenden Geweben verführen, obwohl ich niemals ein buntes, seidenes etc. Stück kaufen würde geschweige denn anziehen. So kommt es, dass ich hier auf meinen Regal einige tolle Stoffe habe, die ich immer wieder bewundere, aber nicht weiss, was ich daraus nähen soll. Manchmal mache ich dann doch irgendwas und hänge es direkt in meine Hall of Fame statt in den Kleiderschrank.

Bin gespannt ob mir Anushkas Seelenspiegel aus dieser Falle heraus hilft.

Wahrscheinlich ist die Autorin dieses sehr aufwändigen Buches – Chapeau, echt! – nicht allen unbekannt. Sie ist Gründerin von into-mind.com, wo ich „personal style & the perfect wardrobe“ auch gefunden habe. Ein Blick in diesen Blog lohnt sich.

 

Nummer 1/12 – Der Mantel Pilvi

 

Und schon habe ich es geschafft, das März-Stück ist fertig, ein Mantel! Er ist schön geworden. Ich habe einen tollen Stoff.

So wird es bei allen meinen 12/12-Stücken sein: Stoff gut, alles gut! Das ist schliesslich der Witz dieser reduzierten Schnitte und überhaupt der Witz von Lotta Jansdotters Kollektion. Lotta ist eigentlich Stoffdesignerin und möchte natürlich, dass ihre Farben, Prints und Strukturen möglichst gut zur Geltung kommen.

Ich habe hier keinen Möglichkeit Lottas Stoffe zu erhalten und sie entsprechen, ehrlich gesagt, als Kleider auch nicht exakt meinem persönlichen Stil. Doch es gibt ja auch Alternativen.

Für diesen Mantel habe ich also einen flauschigen Wollstoff von Brigitte Büge verwendet, der hier sein Potential aufs Schönste präsentieren kann.

Irgendwo geistert in meinem Kopf das Vorurteil herum Schweden seien gross und Amerikaner erst recht. Trotzdem musste ich das Teil der schwedischen in den USA lebenden Designerin verlängern, wie ich das üblicherweise bei jedem Schnittmuster tun muss. Ich mache meistens mal fünf Zentimeter in die Länge und noch drei Zentimeter an die Ärmel wenn nicht irgendwo eine Taillennaht oder so ist. In diesem Fall müsste ich schon genauer messen. Trotz der Verlängerung sind die gedachten Dreiviertelärmel auch solche geblieben.

Pilvi ist ein verschlussloser Mantel, also habe ich auch hier noch je drei Zentimeter an die vorderen Kanten als Über- und Untertritt gegeben und zwei grosse Druckknöpfe angenäht. Mit radikal verschlusslos komme ich im Alltag irgendwie nicht zurecht.

Müsste ich an dieser Stelle noch Kritik anbringen, was ich nicht muss – schliesslich habe ich mich für diese Kollektion ohne Wenn und Aber entschieden – dann würde ich vielleicht noch anmerken, dass die Ärmel ein wenig eng sind. Pulli drunter geht nicht gut. Es staut sich unter den Armen.

Pilvi ist also toll geworden, ich habe ihn heute schon getragen und prompt Komplimente bekommen!

Bereits stellt sich einer der erhofften Effekte der 365-Tage-Projekte ein oder in diesem Fall eben der 12-Monate-Projekte: Ich habe etwas erledigt, jetzt habe ich den Kopf frei für neue Dinge, falls ich das möchte. Andernfalls lasse ich es, weil wie gesagt. Das ist ein gutes Gefühl.

Ja-ja. Ich wei-heiss, an meinen Fotos kann ich noch arbeiten und das werde ich auch tun, ihr werdet schon sehen.

One Month – One Piece

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Das ist ein 12 Monate-Projekt, meine Version des 365 Tage-Projektes. Bei der Verwirklichung wird mir die zauberhafte Lotta Jansdotter helfen. Ich werde im Laufe eines Jahres jeden Monat ein Stück aus ihrer „Everyday Style“ – Kollektion nähen.

Das 12/12 – Projekt soll mich dem Traum aller Hobbyschneiderinnen näher bringen: eine selbst genähte Garderobe zu besitzen.

Die schwedische Designerin Lotta Jansdotter hat das Buch „Lotta Jansdotter Everyday Style. Key Pieces to sew + Accessories, Styling, and Inspiration“ 2015 in New York herausgebracht. Es ist nicht ihre erstes Nähbuch, aber das erste, das eine in sich geschlossene Kollektion präsentiert.

Dieses Buch oder auch diese Kollektion ist ideal für mein Projekt. Es enthält genau 12 Grundmodelle, die sehr einfach zu nähen sind. Das verspricht weniger Nähfrust und wird mir helfen, das 12/12-Projekt durchzuziehen. Die Modelle sind reduced to the max. Kaum Kragen, keine Manschetten, kaum Knöpfe, nur einfache Reissverschlüsse, ab und zu ein Abnäher oder ein Gummizug. Hört sich nach wenig an, macht die Kleider aber extrem wandelbar und für jede Figur und jeden Geschmack tragbar.

Es ist ein „Alles-ist-möglich“-Stil und das ist, wie ich finde, der Look der Zukunft. Diese Kleidung bekleidet, aber wie muss jeder für sich entscheiden.

Lotta Jansdotter schreibt in der Einleitung des Buches:

„I aim to inspire people to make simple, useful objects to be treasured.“

Sie wollte eine Ganzjahres Grundgarderobe entwerfen, die von Menschen aller Art getragen werden kann, überall auf der Welt.

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum ich gerade Lottas Buch für das 12/12-Projekt ausgewählt habe: Ich brauche dringend den Mantel Pilvi für den Frühling und zwar in dem flauschigen rot-beigen Wollstoff, von dem ich ein Muster neben  die Mantelskizze gelegt habe!

Ich lege also heute noch los und wenn es was wird, schicke ich Lotta ein Foto!