Zuerst war der Stoff, …

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…dann kam das „schnittchen“.

Vom Stoff habe ich bereits geschrieben, es ist der wunderbare Chambray mit den goldenen Ananas. „anana’s fabric“ heisst er übrigens. Was also sollte ich mit diesem Stoff machen, damit er wirklich zur Geltung kommt und seine Würde nicht verliert.

Hier ein kleiner Exkurs: Leider habe ich schon öfters erlebt, dass ein Stoff, der in grosser Fläche und voller Pracht vor einem liegt, den falschen Schnitt bekommt. Ist er nach dem falschen Schnittmuster verarbeitet, kann man nicht glauben, dass man wochenlang kaum wagte, das edle Gewebe anzufassen, geschweige denn zu zerschneiden.

Damit diese Katastrophe auf keinen Fall eintritt, flippte ich also durch tausende online-Schnittmuster, überlegte lange, wühlte in meinem Fundus – und da lag er schon: Das „Schnittmuster Kleid Tanja“ von „schnittchen“ aus München. In besagtem Fundus gibt es zwar einige „schnittchen“ Schnittmuster, aber ich hatte noch nie danach genäht.

Die Schnittmuster habe ich mir einmal angeschafft, weil mir der Stil dieser Kleider gefällt. Sie sind einfach, cool, zeitgemäss zeitlos, etwas ganz Eigenes, aber auf ruhige Art.

Ich habe mir also ein Herz genommen und die Anleitung befolgt, die scharfe Schere geholt usw. Aber was rede ich. Es war sehr einfach, ich konnte das Kleid schnell und ohne Missverständnisse nähen, es war ein Erfolg auf der ganzen Linie.

Das war alles anfangs des vergehenden Winters. Jetzt jedenfalls freue ich mich sehr darauf, das gute Stück an heissen Tagen auszuführen.

Wo Stoff kaufen? 1 Tipp!

 

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Zugegeben, 1 Tipp ist nicht gerade ausgiebig, dafür ist er umso besser. Ich würde meinen Stoff bei „Lilly Paris. Das Stoffatelier“ kaufen, wenn ich du wäre. Bisher habe ich zwei Stoffe dort online bestellt: einen Chambray mit goldenen Ananas bedruckt von Aimee comme Marie und ein Leinen-Baumwolle Gemisch von Kokka mit Origami-Kranichen bedruckt, ebenfalls mit Gold umrandet.

Die Gewebe sehen edel aus, dazu trägt sicher auch der Goldglanz bei. Nichtsdestotrotz müssen sie im Alltag bestehen. Sie sind also direkt nach Ankunft bei mir zu Hause in die Waschmaschine geworfen worden und siehe da: genauso rausgekommen wie reingegangen. Der Goldglanz blieb erhalten. Vielleicht sind die Stoffe ein bisschen geschrumpft, aber das soll ja so sein.

Das Ananas-Stöffchen – fest, dünn, leicht, der schiere Sommer – ist bereits zum Kleid geworden. Die Kraniche – dicker und etwas roher im Griff – sind noch unverarbeitet. Ein, zwei mögliche Projekte flattern aber bereits im Hinterkopf herum.

Besondere, noch wenig gesehene Stoffe & Mercerieartikel für Erwachsene und Kinder aus Frankreich, England, Schweden und Japan sind unsere Leidenschaft und diese möchten wir gerne mit Ihnen teilen. Liberty London, France Duval-Stalla, Atelier Brunette aber auch Aime comme Marie und Kokka sind nur einige unserer tollen Labels. Gerne zeigen wir Ihnen unser Sortiment auch persönlich an einem unserer nächsten Atelierverkäufe in Oberrieden bei Zürich.

So steht es bei „Lilly Paris“. Bisher habe ich online bestellt, doch auch dieses Stoffatelier ist gewiss eine Reise wert.

Übrigens, für das Kleid habe ich ein Schnittmuster von „Schnittchen“ verwendet. Doch dazu später mehr.

 

Merchant & Mills

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Wenn ein Nähbuch dann dieses!

Auf dem Klappentext steht unter anderem etwa Folgendes: Merchant & Mills wollen eine Ganzjahresgarderobe präsentieren, deren Stücke sowohl als einzelne Kleidungsstücke funktionieren, aber auch untereinander immer wieder kombiniert werden können.

Durch sorgfältige Auswahl des Stoffes kann jedes Schnittmuster der Jahreszeit angepasst und so eine wirklich vollständige Garderobe geschaffen werden.

Das alles geht mit nur sechs Schnittmustern – wenn das kein Versprechen ist! Sicher ist, dass jedes Stück sich in jede Garderobe integriert und das Zeug zum Lieblingsstück hat.

Ich habe noch keines von den wunderbar schlichten, aus der Zeit gefallenen Stücken genäht. Aber ich kann nicht aufhören in diesem Buch zu blättern, mein nächstes Projekt zu planen und mich in den Fotografien zu verlieren.

Die Kleider tragen Namen wie „The Bantam“, ein ärmelloses Top mit Boxerrücken, oder „The Saltmarsh“, ein langer Leinenrock. Es sind aussergewöhnlich schlichte Schnitte, die für Leinen, Baumwolle oder Wolle gedacht sind. Die Inszenierung der Kleider ist irgendwo zwischen Kolonialstil, Sommerfrische am Meer und englischer Fabrikromantik angesiedelt. Ist die Geschichte zum Bild zu Ende gedacht, kann das Kleidungsstück nachgenäht werden, quasi als Souvenir der Erzählung.

Die Nähanleitungen sind sehr ausführlich von Hand gezeichnet und bilden jeden Arbeitsschritt ab, einige Fotos verdeutlichen schwierige oder schwer erkennbare Anweisungen.

Das Buch an sich ist bereits sehr schön und bringt den Leser von Anfang an in die erforderliche ruhige, schlichte Erwartung mit der diese Kleider verstanden werden wollen. Buch und Schnittmusterpacken sind in braunen, unbeschichteten Karton gebunden, der mit einem schwarzen Gummiband fixiert wird. Die Deckblattbeschriftung ist in Schwarz darin eingeprägt.

Wie gerne, wie gerne würde ich das Geschäft Merchant & Mills in East Sussex besuchen!

 

Voll Mütze

Seit einigen Jahren gilt für mich das Prinzip „Eine Mütze pro Winter“. Im Winter 2015/2016 habe ich den Beanie aus der burdastyle 1/2016 gestrickt (Ich bin eine wahre Burdaista wie sich noch zeigen wird).

Eigentlich möchte ich nur nähen, aber diese Mütze zu stricken hat richtig Spass gemacht. Schon diese Wolle durch die Finger gleiten zu lassen, war sehr, sehr angenehm. Ich habe mich da an die Vorgabe gehalten und „Bingo“ und „Bingo Print“ von Lana Grossa genommen. Eine reine Merinowolle. Die Garne haben richtige Winterfarben wie Stein, Schnee, Eis.

Obwohl die Mütze einfach ist und schnell gemacht war, habe ich einiges gelernt und zwar den italienischen Anschlag oder das Halbpatentmuster. Da bin ich besonders stolz drauf, das macht einen professionellen Eindruck und ist sehr angenehm zu tragen. Es ist weich, leicht, luftig und trotzdem warm genug.

Ich würde jedem empfehlen, das Ding noch schnell zu machen, der Winter dauert schon noch ein paar Wochen. Das tolle Stück bleibt am Kopf, wo es sein soll und hat trotzdem eine lässige Weite.

Mal sehen, in welcher Farbe es die „Bingo Print“-Wolle noch gibt, aber ein etwas eng anliegendes Fischermätzchen in dunkelblau und mit umgeschlagenen Bund würde mir aus diesem Garn schon noch gefallen.

Elfengleich

Ein schönes Blüschen aus burdastyle 5/2015. Transparenter, feinmaschiger Strickstoff, der leicht in Falten fällt sobald man den schmalen Gürtel umbindet, der hier unbedingt sein muss. Die Ärmel- und  Saumkanten sind ungesäumt, was ich liebe. Hat ein Kleidungsstück offene Kanten, kann ich kaum wiederstehen, keine Ahnung woran das liegt.

Die nach vorne verlegte Arm- und Schulternaht und der vordere Ausschnitt irritieren das Auge. Noch so ein wunderschönes Detail. Passt am besten zu schwarzen Röhrenhosen.  Und liegt elfengleich im Vorvorfrühlingsgarten.

Wenn das kein Erfolg ist!

Mein erster Post und schon zwei Besucher! Yippiii! Keine Spur von den berüchtigten vielen Jahren, die man warten müsse, bis endlich wenigstens ein Computer den Blog entdeckt. Das ist mir wirklich eine Ehre Seppo und Aaron, Danke!

Jetzt muss dann wohl geliefert werden, aber ich tu was ich kann und werde Schritt für Schritt dieses virtuelle Dings mit Inhalten füllen.

Mein erster Post

Das ist aufregend: mein erster Post! Nach all dem Hin-und-her, dem ganzen Soll-ich-oder-soll-ich-nicht. Aber doch. Die Gestaltung des Blogs ist noch nirgends, ich muss mich da erst eingewöhnen, aber ich will bereits etwas geschrieben haben.

In diesem Blog, möchte ich meine Nähprojekte vorstellen, meine Inspirationen zeigen, die Bücher, die ich dafür lese und wo ich die Kleider einmal hinführen möchte. Es geht um die ewige Frage: Was soll ich anziehen? Aber mehr noch: Was brauche ich im Kleiderschrank, um immer zu wissen, was ich anziehen soll?

Weil ich gerne nähe, sehr gerne nähe, sollten das natürlich selbstgenähte Sachen sein. Was aber nähen? Das beschäftigt mich beinahe noch mehr, als die erste Frage. Hier steckt die ganze Arbeit. Das muss die Mühe lohnen.

Ich bin keine Modefrau, aber ich habe Augen und noch weitere Sinne, die auch für Kleidung gerne gebrauche: Wie fühlt sich der Stoff an? Wie riecht er? Welche Geräusche macht er?

Um diesen Blog endlich zu schreiben und mir die Auswahl meiner Projekte zu erleichtern kommt mir folgendes Zitat der niederländischen Trendforscherin Li Edelkoort sehr entgegen:

„Es gibt keine modischen Leute mehr. (…) Man sieht schöne Leute, funky Leute, elegante Leute – aber keine modischen Leute.“

Das heisst, in Zukunft ist alles möglich, aber es muss gut sein!